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Leitfaden zur Aufklärung der Eltern

Einige Antworten zu häufig gestellten Fragen:


Was ist das Besondere an den Stammzellen aus Nabelschnurblut?

Stammzellen aus Nabelschnurblut sind besonders vitale und teilungsfreudige Vorläuferzellen für eine Reihe von Körperzellen. Wenn man sie fachgerecht einfriert, kann man ihre Jugendlichkeit über Jahrzehnte bewahren. Bereits heute können sie für die Therapie vor allem hämatologischer Erkrankungen eingesetzt werden. Für die nächsten 10 – 20 Jahre werden zusätzliche Therapiemöglichkeiten bei einer Vielzahl von Krankheiten, z. B. im Gewebeersatz oder in der Wiederherstellungsmedizin, erwartet.


Wie wahrscheinlich ist es, dass das Kind eine Stammzell-Therapie brauchen wird?

In Europa erhalten jährlich ca. 27.000 Menschen ein Stammzelltransplantat aus Knochenmark oder Nabelschnurblut. Die Zahl stieg zwischen 2004 und 2005 um 20 % (3). Hämatologen haben auf der Jahrestagung 2005 ( American Society of Hematology) Daten veröffentlicht, wonach das Risiko in der westlichen Welt 1 zu 217 beträgt, bis zum Alter von 70 Jahren ein Stammzelltransplantat für die Krebstherapie zu benötigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stammzellen zur Therapie von Herzkreislauferkrankungen herangezogen werden, wird auf 1 zu 7 geschätzt (33).


Gibt es ethische Bedenken gegen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut?

Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen sind Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ethisch unbedenklich. Aus Nabelschnurblut-Stammzellen können zwar viele verschiedene Zellarten hervorgehen, jedoch kein gesamter Organismus.


Wie lange sind NSB-Präparate haltbar?

Stammzellforschung und –therapien gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Die erste erfolgreiche Nabelschnurblut-Transplantation wurde 1988 durchgeführt. 1992 etablierten sich die ersten Nabelschnurblut-Banken in Europa. Aus diesem Grund gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Haltbarkeitsdauer von Nabelschnurblut-Stammzellen.

Die derzeit nachgewiesene Lagerzeit für Knochenmark-Stammzellen liegt bei ca. 35 Jahren, für Stammzellen aus Nabelschnurblut bei 15 Jahren. Nach Einschätzung von Experten können menschliche Zellen ohne Einbuße ihrer Lebensfähigkeit jedoch über mehrere Jahrhunderte eingefroren werden (34). Dies bedeutet, dass kältekonservierte Nabelschnurblut-Stammzellen wahrscheinlich bis ins hohe Alter auch für Therapien zur Verfügung stehen, die derzeit noch nicht Standard sind.


Was vor einer Stammzelleinlagerung beachtet werden sollte

Nicht in jedem Fall kann der Wunsch zur Aufbewahrung von Nabelschnurblut realisiert werden. Öffentliche und private Nabelschnurblut-Banken unterscheiden sich hier in ihren Kriterien. Bereits in der Vorbereitungsphase gibt es Ausschlusskriterien für eine Einlagerung der Stammzellen bei einer öffentlichen Nabelschnurblut-Bank. Dazu gehören beispielsweise eine Hepatitis-B- oder –C-Erkrankung oder ein manifester Diabetes mellitus (21).

Wenig bekannt ist, dass Piercings oder Tätowierungen der werdenden Mutter innerhalb des letzten halben Jahres vor der Geburt in der Regel zur Ablehnung der Spende führen. Hat eine Akupunkturbehandlung, z. B. im Vorfeld einer Geburt stattgefunden, so verlangen einige öffentliche Nabelschnurblutbanken eine schriftliche Bestätigung, aus der hervorgeht, dass die Behandlung unter aseptischen Bedingungen erfolgt ist.

Die Einnahme von Medikamenten, z. B. im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung, kann zu einer Abweisung der Spende führen.

Auch private Nabelschnurblut-Banken erheben eine ausführliche Anamnese. Wenn jedoch ein Kriterium erfüllt ist, das bei öffentlichen Nabelschnurblut-Banken zum Ausschluss führen würde, entscheiden die Eltern, ob die Stammzellen dennoch eingefroren werden sollen.

Dieses Vorgehen ist durchaus sinnvoll, da das Nabelschnurblut hier nur für den eigenen Gebrauch bestimmt ist. Ein Beispiel ist die Toxoplasmose-Infektion der werdenden Mutter. Die Untersuchung des Kindes nach der Geburt bzw. nach dem ersten Lebensjahr kann hier Sicherheit geben, dass das Kind nicht infiziert wurde und somit das Nabelschnurblut-Präparat uneingeschränkt einsetzbar ist (35).