Rheuma greift Herz an

Interview - Dr. med. Steinwachs

Bei Rheumatoider Arthritis (RA) liegt ein hochkomplexes immunologisches Geschehen zugrunde, bei dem ein starker Anstieg von T-Zellen und verschiedenen Zytokinen im Mittelpunkt steht. Die damit einhergehenden entzündlichen Prozesse schädigen nicht nur Gelenke, sondern greifen auch die Gefäße an. Sicher sind Sie sich bewusst, dass Ihre Rheuma-Patienten deshalb ein erhöhtes Risiko haben einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Ihre Initiative als Hausarzt ist gefragt.

Risiko Herzinfarkt

Doch die gesteigerten Spiegel an Entzündungsstoffen greifen auch die Blutgefäße an. Die Gefäßwände neigen häufiger zu Arteriosklerose. Nach Aussagen von Professor Jürgen Braun, Ärztlicher Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne haben Rheumapatienten ein bis 60 Prozent erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Das Risiko erhöht sich noch, wenn Ihre Patienten Risikofaktoren aufweisen, wie:

Liste der Risikofaktoren: Rauchen, Übergewicht, Diabetes, Blutfettte, Hypertonie

In einer großen Kohortenstudie, die 7.700 Rheuma Patienten einschloss, gab es das überraschende Ergebnis: Schon im ersten Jahr nach RA-Diagnose lag das relative Risiko für einen Herzinfarkt 40 Prozent über dem der Vergleichsgruppe. Im Zeitraum bis zu 10 Jahren verdoppelte es sich fast. Interessant ist der Befund, dass bis zur RA-Diagnose das Risiko hingegen in beiden Gruppen gleich war. Diskutiert wird deshalb auch, dass die Steigerung des Herzinfarkt-Risikos nicht durch die Erkrankung verursacht wird, sondern auch an den Medikamenten, wie zum Beispiel dem Cortison, das nicht selten eine Erhöhung des Blutzuckers und der Blutfette zur Folge hat.

Vorhofflimmern - Herz aus dem Takt
Bei den ca. 18.000 Patienten mit RA waren auch 774 Patienten mit Vorhofflimmern und 718 mit Schlaganfall. Die Inzidenzrate für diese Ereignisse lag 40 Prozent über der von nicht an Rheuma erkrankten Patienten gleichen Alters und Geschlechts (8,2 versus 6 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre).

Das bedeutet, dass von 12 Rheumapatienten im Verlauf von zehn Jahren eine Neuerkrankung an Vorhofflimmern auftreten wird. Es wird diskutiert, ob es diese Berechnungen rechtfertigen bei den regelmäßigen Untersuchungen der Patienten auch nach Vorhofflimmern zu fahnden. Argumentiert wird von den dänischen Kardiologen, dass diese häufige Arrhythmie ein modifizierbarer Risikofaktor für den Schlaganfall ist. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Frühe Behandlung - Kardiovaskulärer Nutzen

Da das Herzinfarktrisiko bei RA-Patienten aber auch mit der Krankheitsaktivität verbunden ist, betonen Rheumatologen schon länger die Notwendigkeit einer frühen Diagnose der Erkrankung und effektiven Therapie der Patienten. Dabei müsse auch gegen weitere Risikofaktoren wie Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetes vorgegangen werden, ob sie schon bei Diagnose vorliegen oder erst in Folge der Medikation auftreten. Hinweise auf eine Gefährdung des Herz-Kreislaufsystems können eine regelmäßige körperliche Untersuchung, Blutwerte- und EKG-Kontrollen sowie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) geben.

Denn eines wird immer wieder beobachtet: Rheumatologen haben diese Risikofaktoren meist nur zu Beginn der Erkrankung fest im Blick: Und so haben Sie, als Hausarzt, es in der Hand den Therapieerfolg nachhaltig zu steigern.

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Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut durch den Tag kommen.

Ihr Roland A. Krauth
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Platzhalter

Da ist mir noch etwas aufgefallen. Bitte denken Sie bei plötzlichen Kopfschmerzen auch an Rheuma. Die rheumatische Entzündung der Arteriitis temporalis ist druckschmerzhaft oder geschwollen, die Betroffenen können Schmerzen beim Kauen haben und fühlen sich krank. Gefürchtet ist die Entzündung deshalb, weil das Risiko besteht, dass die Entzündung auch die Arterien der Augen betrifft und zu schwerwiegenden Einschränkungen des Sehvermögens führen kann.

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