cme.medlearning.de - CME Logo

Lenalidomid

Angiogenesehemmer und Immunmodulator

Lenalidomid ist ein orales Derivat von Thalidomid. Es ist stärker immunmodulatorisch wirksam als Thalidomid (Richardson et al. 2002). Lenalidomid hemmt die Angiogenese und induziert die Apoptose in Zellen, die resistent gegen Melphalan, Doxorubicin und Dexamethason sind. (Hideshima et al., 2000) Darüber hinaus hat es eine antiproliferative und entzündungshemmende Wirkung.

Lenalidomid wird vor allem über die Nieren ausgeschieden, sodass Dosisreduktionen bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen notwendig sind.

Therapieversuch nach mindestens einer vorausgegangenen Therapie

Die Überlegenheit von Lenalidomid in der Kombination mit Dexamethason bei Patienten mit refraktärer Erkrankung oder Rezidiv gegenüber Dexamethason alleine wurde mehrfach gezeigt. Die Patienten mit Lenalidomid hatten bessere Ansprechraten, eine längere Zeit bis zur Progression und zeigten längeres Ansprechen. (Dimopoulos et al., 2005 und 2007) Lenalidomid wurde daher 2007 in Europa und den USA für die Kombinationsbehandlung mit Dexamethason zur Behandlung des Multiplen Myeloms nach mindestens einer vorausgegangenen Therapie zugelassen.

Die Datenlage zur Anwendung als First-Line-Therapie ist gering.

Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich von Thalidomid

Die Stärke und Rate der Nervenschädigungen sind im Vergleich zu Thalidomid geringer (Zangari et al, 2001), Müdigkeit tritt ebenfalls seltener auf. Die Hämatotoxizität dagegen ist ausgeprägter, insbesondere kann es zu einer Thrombozytopenie oder einer Neutropenie kommen. Die Myelosuppression ist in der Regel reversibel und mit einer Dosisreduktion oder Wachstumsfaktorgabe gut beherrschbar. In den ersten 8 Behandlungswochen sollte das Blutbild wöchentlich kontrolliert werden.

Besonders bei der Kombination mit Dexamethason ist eine antithrombotische Prophylaxe nötig. Bei einer Begleittherapie mit low-dose" ASS (100 mg) oder fraktioniertem Heparin können thrombo-embolische Komplikationen weitgehend verhindert werden. (Lacy et al., 2006) Da nicht bekannt ist, ob Lenalidomid eine fruchtschädigende Wirkung hat, muss für eine Schwangerschaftsverhütung gesorgt werden.

Lenalidomid kann auch nach einer Vorbehandlung mit Thalidomid wirksam sein, die Ansprechraten sind allerdings geringer als bei Patienten, die zuvor kein Thalidomid erhalten haben. (Wang et al., 2006)

Mögliche Kombinationen mit Lenalidomid

Ein neuer viel versprechender Therapieansatz prüft die Kombination von Lenalidomid, Adriamycin und Dexamethason in einer Dosiseskalationsstudie. Das RAD-Protokoll führte zu Remissionsraten von über 80% (darunter 70 % komplette oder fast komplette Remissionen) bei Patienten, die auf keine andere Behandlung mehr ansprachen. (Knop et al., 2006)

Untersucht werden beispielsweise auch die Kombination von Lenalidomid mit Doxorubicin und Dexamethason sowie die Kombination mit liposomalem Doxorubicin, Vincristin und Dexamethason sowie der Einsatz in der Erstlinien-Therapie.