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Thalidomid

Angiogeneseinduktion beim multiplen Myelom

Ein solider Tumor braucht für sein Wachstum Blutgefäße, die ihn mit Nährstoffen versorgen. (Folkman, 1971). Der Tumor selbst stimuliert die Bildung neuer Blutgefäße, die Angiogenese. Die Tumorzellen können sich auch über die Blutgefäße im Körper ausbreiten. Es gibt Hinweise auf die Induktion einer Angiogenese im Knochenmark beim multiplen Myelom. (Vacca et al., 1999, Moehler et al., 2000).

Antiangiogene Wirkung

Als Sedativum und Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft war Thalidomid in den 50er Jahren erhältlich. 1961 musste es wegen seiner teratogenen Wirkung vom Markt genommen werden.

Als Grund für die antiangiogenetische Wirkung von Thalidomid werden die Hemmung des Vascular Endothelial Growth Factor und des Fibroblast Growth Factor diskutiert.

Abb. 14: Als Grund für die antiangiogenetische Wirkung von Thalidomid werden die Hemmung des Vascular Endothelial Growth Factor und des Fibroblast Growth Factor diskutiert.

Die hemmende Wirkung von Thalidomid auf die Bildung neuer Blutgefäße ist seit 1994 bekannt. Thalidomid hat darüber hinaus auch immunmodulierende Wirkungen.

Ein therapeutischer Effekt von Thalidomid beim multiplen Myelom wurde 1998 gezeigt: 32 - 40 % der Patienten mit rezidivierter oder refraktärer Erkrankung sprachen auf die Behandlung an. Es kam zu einem Rückgang des Paraproteins um mindestens 25 %. (Singhal et al., 1999, Neben et al. 1999). Wird Thalidomid mit einer Chemotherapie kombiniert, sprechen bis zu 78 % der Patienten auf die Therapie an. Diese Ansprechrate ist höher oder zumindest gleich hoch wie bei bisherigen üblichen Rezidiv-Therapieschemata (Moehler et al., 1999). Unter einer Therapie mit Thalidomid kommt es bei über 50 % der Patienten zu einer Neuropathie mit Gefühlsstörungen an Armen und Beinen, Zittern oder Darmträgheit. (Moehler et al., 1999). Auch über Müdigkeit wird häufig geklagt. Die periphere Neuropathie limitiert oft die Dosis und die Behandlungsdauer. Um die Neurotoxizität zu begrenzen, empfiehlt Mileshkin, die Therapiedauer auf 6 Monate zu begrenzen. (Mileshkin et al., 2006)

Weitere Nebenwirkungen von Thalidomid sind Thromboembolien, v. a. bei Kombination mit Anthrazyklinen oder mit hochdosierten Steroiden, hier ist eine Antikoagulation notwendig. Empfohlen werden Vitamin-K-Antagonisten oder fraktioniertes Heparin. Bei Kontraindikationen kann auf Acetylsalicylsäure ausgewichen werden. (Rajkumar et al., 2005) Eine Verringerung der Thalidomiddosis ist ohne Wirkungsverlust möglich: Es zeigte sich ein vergleichbares Ansprechen von Thalidomid 100 mg/d gegenüber 400 mg/d. (Yakoub-Agha et al., 2005).

Die Kombination von Melphalan und Prednison mit Thalidomid bei älteren Patienten zeigte bei den mit Thalidomid Behandelten eine bessere Ansprechrate und eine bessere Raten an rezidiv-freiem Überleben. (Palumbo et al., 2006 b)

Therapieversuch bei refraktärer oder rezidivierter Erkrankung

Bei einer rezidivierten oder refraktären Erkrankung kann ein Therapieversuch mit Thalidomid als Monotherapie unternommen werden. Kommt es zu einer raschen Zunahme der Krankheitsaktivität oder führt die alleinige Thalidomid-Behandlung nicht oder zu keinem anhaltenden Ansprechen, kann Thalidomid mit Chemotherapeutika kombiniert werden. 30 % der Patienten einer Studie, die auf Thalidomid kein Ansprechen zeigten, erreichten beispielsweise durch zusätzliche Gabe von Dexamethason eine Remission (Dimopoulos et al., 2003).