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Rezidiv

Tab. 3: Therapeutische Optionen beim Rezidiv des Multiplen Myeloms: Beispiele

Rezidivtyp Strategie Mögliche Therapieschemata, Erfolgsraten
Frührezidiv (nach weniger als 6 Monaten) Änderung der Therapiestrategie z. B. Wechsel auf anthrazyklinhaltige Schemata VAD: Vincristin/Adriamycin/Dexamethason Idarubicin/Dexamethason
Versuch mit Lenalidomid oder Bendamustin
Spätrezidiv (nach 6-12 Monaten) Wiederholung des Therapieschemas der ersten Remission Remissionsraten bis zu 50 % möglich
Spätrezidiv (nach mehr als 12 Monaten) Wiederholung des Therapieschemas der ersten Remission Etwa 50 % Remissionen
Spätrezidiv (nach mehr als 24 Monaten) Wiederholung des Therapieschemas der ersten Remission Bei intialer Mephalan-Therapie: Reinduktion mit Mephalan möglich
Patienten mit eingeschränkter Knochmarksreserve Schonung des Knochenmarks Dexamethason-Monotherapie als Zweit- oder Drittlinientherapie
Refraktäre Erkrankung Therapieversuch Thalidomid, bei weiterer Progredienz Kombination von Thalidomid und Chemotherapie
Lenalidomid
Progrediente Erkrankung nach ≥ 2 Vortherapien Strategiewechsel Bortezomib nach versuchter Stammzelltransplantation oder Chemotherapie

Optionen beim Frührezidiv

Bei primärem Therapieversagen, einem Frührezidiv, einem melphalanresistenten oder einem rasch progredienten Rezidiv verwendet man als Sekundärtherapie ein anthrazyklinhaltiges Schema: z. B. VAD (Vincristin/Adriamycin/Dexamethason; Idarubicin/Dexamethason), ebenso im Rezidiv nach 2- oder 3-maligem Einsatz des ursprünglichen Behandlungsprotokolls. Hier nimmt das VAD-Schema ebenfalls einen besonderen Stellenwert ein.
Auch Bendamustin ist in diesen Fällen eine Therapieoption.(Liebisch et al., 2005)

Optionen beim Spätrezidiv

Kommt es im Zeitraum von 6 Monaten bis einem Jahr zu einem Rezidiv, kann erneut die Primärtherapie wiederholt werden. Ca. 50 % der Patienten erzielen eine zweite Remission unter Wiedereinsatz der Erstlinientherapie. Dies gilt besonders für Patienten mit einer Remissionsdauer über ein Jahr. (Liebisch et al., 2005) Nach Buzaid et al. ist bei bis zu 70 % der Patienten mit einem erneuten Ansprechen auf eine Therapie nach dem Alexanian-Schema zu rechnen (Buzaid et al., 1988).

Weitere Optionen beim Rezidiv: Bortezomib, Dexamethason, Thalidomid, Lenalidomid

Seit April 2004 ist Bortezomib für die Behandlung des rezidivierten multiplen Myeloms zugelassen. Unabhängig von Anzahl und Art der Vortherapie war die Gabe von Bortezomib assoziiert mit einer verbesserten Lebensqualität. Bortezomib kann nach Chemotherapie oder nach autologer Transplantation gegeben werden (Multiples Myelom Handbuch, Seite 33 ff).
Eine Dexamethason-Monotherapie als Zweit- oder Drittlinientherapie ist besonders bei Patienten mit eingeschränkter Knochenmarksreserve empfehlenswert (Liebisch et al., 2005).
Bei einer rezidivierten oder refraktären Erkrankung kann ein Therapieversuch mit Thalidomid als Monotherapie unternommen werden. Kommt es zu einer raschen Zunahme der Krankheitsaktivität oder führt die alleinige Thalidomid-Behandlung nicht oder zu keinem anhaltenden Ansprechen, kann Thalidomid mit Chemotherapeutika eingesetzt werden, am besten im Rahmen einer Studie.
Beim rasch progredienten Rezidiv kann ein Versuch mit Bendamustin oder Cyclophosphamid unternommen werden (Liebisch et al., 2005).
Wenn im Rezidiv lediglich eine oder zwei neue Knochenläsionen auftreten, ist oft die Strahlentherapie ausreichend (Handbuch Multiples Myelom, S. 35).

Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason ist seit 2007 bei Patienten mit Rezidiv nach mindestens einer Vortherapie zugelassen. Es ist einer Monotherapie mit Dexamethason deutlich überlegen. (Dimopoulos et al., 2005)

Option Stammzelltransplantation

Eine Hochdosis-Therapie mit autologer Transplantation ist eine Option bei Patienten mit einem Rezidiv nach einer konventionellen Erstlinien-Therapie. (Ludwig et al., 2007)

Rezidiv-Sonderformen

Isolierte Osteolyse

Treten Osteolysen isoliert und ohne weitere Zeichen einer systemischen Krankheitsaktivität auf, sollte eine lokale Strahlentherapie zum Einsatz kommen.

Solitäres Plasmozytom

Bei solitären, besonders extramedullären Plasmozytomen nach histologischer Sicherung und Ausbreitungsdiagnostik sollte individuell entschieden werden über Strahlentherapie und/oder Operation mit oder ohne nachfolgende Chemotherapie (Liebisch et al., 2005).

Rezidiv nach Transplantation von Stammzellen:
Therapieoptionen

Rezidiv nach autologer Transplantation

  • Frühes Rezidiv: neue Therapiestrategie
    • z. B. Polychemotherapie mit Thalidomid
    • Allogene Transplantation
  • Spätes Rezidiv, v.a. > 2 J
    • Erneute Hochdosis-Chemotherapie + autologe Transplantation
  • Bortezomib
  • Rezidiv allgemein: Versuch mit Lenalidomid

Rezidiv nach allogener Transplantation

  • Transfusion von Donorlymphozyten
  • Interferon-α
  • Bortezomib
  • Erneute Transplantation
  • Progress nach Hochdosis-Chemotherapie: Bendamustin