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Definitionen: Refraktäre Erkrankung, Rezidiv und Krankheitsprogression

Es existieren verschiedene Klassifikationen, um den Therapieeffekt zu beurteilen und ein Rezidiv oder einen Krankheitsprogress zu definieren. Am weitesten akzeptiert sind die Definitionen des Therapieansprechens, der Krankheitsprogression und des Rezidivs der Europäischen Blut- und Knochenmarktransplantationsgesellschaft (EBMT) (Bladé J et al., 1998). Diese werden hier beschrieben.

Refraktäre Erkrankung

Spricht die Erkrankung auf die Behandlung nicht an, spricht man von einer refraktären Erkrankung. Das refraktäre Multiple Myelom unterteilt man in primär refraktäre und sekundär refraktäre Krankheitsverläufe.

Das Rezidiv

Die Entwicklung eines Rezidivs ist nur aus einer kompletten Remission möglich. Ein Rezidiv aus der kompletten Remission (CR) erfordert eines oder mehrere der folgenden Kriterien:

  • In der Routine-Elektrophorese oder Immunfixation: Wiederauftreten des monoklonalen Proteins in Serum oder Urin (muss durch mindestens eine weitere Untersuchung bestätigt sein, und eine oligoklonale Immunrekonstitution muss ausgeschlossen sein).

  • Im Knochenmark-Aspirat oder in der Knochenmark-Stanze: > 5 % Plasmazellen

  • Neue Osteolysen oder neue Weichteil-Plasmozytome oder Größenzunahme bestehender Osteolysen.

  • Hyperkalzämie (korrigiertes Serum-Kalzium über 11,5 mg/dl oder über 2,8 mmol/l), ohne andere plausible Ursache.

Das Auftreten einer Kompressionsfraktur ist kein eindeutiges Zeichen für einen Krankheitsprogress, schließt also das Fortbestehen einer Remission nicht aus.

Der Krankheitsprogress

Ein Krankheitsprogress für Patienten, die nicht in kompletter Remission sind, erfordert mindestens eines der folgenden Kriterien (Liebisch, 2005):

  • > 25 % Zunahme des monoklonalen Proteins im Serum
  • 25 % Zunahme monoklonaler Leichtketten im 24h-Sammelurin
  • Zunahme der Knochenmark-Plasmazellen > 25 % bei Non-Sekretoren
  • Größenzunahme oder neue Weichteilplasmozytome
  • Osteolysen: Zunahme der Zahl oder Größe
  • Entstehung einer Hyperkalzämie.

Dauer der Remission: wichtig für weitere Therapie

Bei den Rezidiven oder Progress unterscheidet man zwischen

  • Frührezidiv ( 6 Monate nach Ende der primären Chemotherapie) und
  • Spätrezidiv (> 6 Monate nach Ende der primären Chemotherapie).

Die Dauer der Remissionsphase spielt eine wichtige Rolle bei der Auswahl der weiteren Therapiestrategie.

Definition des Therapieansprechens

Bei der Beurteilung des Therapieansprechens werden unterschieden:

  • Komplette Remission,
  • partielle Remission,
  • minimales Ansprechen,
  • keine Veränderung und
  • Plateau.

Folgende Kriterien werden beurteilt: die Menge des monoklonalen Proteins im Serum und Urin, der Anteil der Plasmazellen im Knochenmark-Aspirat und in der Knochenmarkstanze, Leichtketten-Ausscheidung im Urin.

Tab 1:
Definitionen der verschiedenen Therapieansprech-Kategorien beim Multiplen Myelom

Komplette Remission Serum: Auch mit sensitiven Verfahren kein M-Protein nachweisbar Knochenmark: Keine Myelomanzeichen Andere Untersuchungen: Keine Hinweise auf Krankheitsaktivität
Fast komplette Remission Serum: M-Protein nicht messbar, mit sensitiven Verfahren aber nachweisbar Knochenmark: Myelominfiltration ≤ 5 %
Partielle Remission Serum: Reduktion des M-Protein um mindestens 50 % Knochenmark: Rückgang der Myelomzellen um mindestens 50 %, aber noch mehr als 5 % Infiltration
Minimales Ansprechen Serum: Reduktion des M-Proteins um ≥ 25 aber weniger als 50 %.
Keine Veränderung oder Plateau Serum: Reduktion des M-Proteins um weniger als 25 %

Von einem Plateau spricht man, wenn stabile Werte (innerhalb von 25 % über oder unter den Werten zum Zeitpunkt der Bewertung des Therapieansprechens) über mindestens 3 Monate vorliegen. Um von einem Ansprechen ausgehen zu können, muss es zu einer Reduktion des M-Proteins im Serum kommen, in Verbindung mit Zeichen einer klinischen Besserung, z. B. von Knochenschmerzen oder Müdigkeit. (Multiples Myelom-Handbuch, Seite 17).