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Amphotericin B: Unerwünschte Wirkungen und Interaktionen

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigsten infusionsassoziierten Nebenwirkungen sind Fieber, Schüttelfrost und Muskelschmerzen. Diese Nebenwirkungen werden in Dosierungen zwischen 0,5 und 1,5 mg/kg/Tag bei 25 % bis 67 % der Patienten beobachtet. Als Prämedikation gegen Schüttelfrost können bei der Applikation der therapeutischen Dosis (1,0 mg/kg/Tag) 50 bis 100 mg Pethidin i. v. und zusätzlich Paracetamol oder Metamizol (1000 mg p. o.) verabreicht werden. In therapierefraktären Fällen kann Hydrocortison (25 - 50 mg) zur Prämedikation erforderlich sein.

Thrombophlebitiden können bei peripher venöser Applikation auftreten.

Nephrotoxizität

Die klinische Hauptgefahr nach intravenöser Gabe von Amphotericin B liegt in der Nephrotoxizität, die dosislimitierend wirkt. Intravenöse Amphotericin B-Applikationen führen zur Abnahme der glomerulären Filtrationsrate. Amphotericin B kann zu Nierentubuluskalzinosen führen.

Erste Anzeichen einer Nierenfunktionsstörung sind

  • Kreatinin- und Harnstoffanstieg im Serum
  • Hypokaliämie
  • Proteinurie
  • Hämaturie
  • renal tubuläre Azidose
  • renaler Magnesiumverlust

Unter empirisch/therapeutischen Dosen von Amphotericin B (0,5 - 1,5 mg/kg/Tag) wurde eine Verdoppelung des Serum-Kreatinins bei 23 % - 50 % beobachtet. Die Entwicklung einer klinisch bedeutsamen Nephrotoxizität muss vor allem bei einem raschem Kreatininanstieg (auf > 2,0 mg/dl) befürchtet werden.

Dosisabhängige Nierenschädigung durch Amphotericin B

Kumulative Gesamtdosis Nierenschäden
< 2 g nur in Ausnahmefällen
2 – 4 g Nierenschädigungen bei bis zu 50% der Patienten, meist reversibel
Ab 5 g bei 80% der Patienten mehr oder weniger reversible Nierenschäden

Die 24-stündige Dauerinfusion führte in einer randomisierten Studie gegenüber der Kurzzeitinfusion über 4 h zu signifikant weniger Nephrotoxizität.

In Studien mit kleinen Patientenzahlen konnte gezeigt werden, dass eine zusätzliche Kochsalzbeladung (150 - 300 mval NaCl entsprechend 9 bis 18 g NaCl/Tag) vor der Amphotericin B-Behandlung die Häufigkeit der gefürchteten Nierenschädigung reduzieren kann, so dass die so genante „Kochsalzbeladung“ inzwischen als Standardverfahren vor der Infusion von Amphotericin B –Desoxycholat gilt.

Weitere unerwünschte Wirkungen

Die nach Amphotericin B beobachtete normochrome, normozytäre Anämie wird auf eine verminderte Erythropoetinsynthese zurückgeführt. Seltene Nebenwirkungen schließen Muskel- und Gelenkschmerzen, Thrombopenien, allergische Reaktionen, Krämpfe, Sehstörungen, Schwindel, Paresen und eine periphere Neuritis ein.

Bei der Gabe von antineoplastischen Substanzen muss das erhöhte Potenzial renaler Schädigungen, Bronchospasmus und Hypotonie bedacht werden. Die Wirkung von Herzglykosiden und Antiarrhythmika wird durch die Hypokaliämie verstärkt. Eine Leukozytentransfusion während oder kurz vor der Infusion von Amphotericin B kann zu akuten Lungenreaktionen führen.