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Risikofaktoren

Welche Patienten sind betroffen?

Die klinisch bedeutsame Infektion durch Aspergillus spp betrifft normalerweise nur Patienten mit Granulozytopenie nach Chemotherapie, Neutrophilen/Makrophagen-Dysfunktion, zytotoxischer Chemotherapie in Kombination mit monoklonalen Antikörpern (z. B. Fludarabin und Alemtuzumab oder Infliximab), Langzeit-Steroidbehandlung, Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantation sowie Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten wie Hypogammaglobulinämie.

Besonders riskant: Leukämie oder Knochenmarktransplantation

Bei Nachweis einer invasiven Aspergillose liegt in ca. 40% eine Leukämie vor, in 13 % eine andere hämatologische Erkrankung, in 26 – 29 % eine Knochenmarktransplantation. Aspergillusinfektionen werden vor allem bei langer (> 10 Tage) und schwerster Granulozytopenie (< 100/µl) beobachtet, wie sie regelhaft bei der Behandlung von akuten Leukämien auftreten.

Den wichtigsten Risikofaktor stellt eine lange, schwere Immunsuppression dar, gefolgt von einer Myelosuppression und einer allogenen Stammzelltransplantation. In der Stammzelltransplantation wird derzeit die Bedeutung der eingeschränkten zellulären Immunabwehr als wichtiger Risikofaktor diskutiert.

Ein besonders hohes Risiko für Infektionen durch Aspergillus spp besteht in den ersten drei bis vier Monaten nach einer allogenen Stammzelltransplantation, wobei eine Infektionshäufung zunächst besonders in der frühen granulozytopenischen Phase im ersten Monat nach Transplantation beobachtet wird (9).

Risikofaktoren für das Auftreten einer späten invasiven Aspergillose (> Tag + 80) sind

  • ein Alter > 40 Jahre,
  • eine sekundäre Granulozytopenie,
  • eine akute GvHD > Grad II , (der Anti-TNF-alpha-Antikörper Infliximab führt zu einem Anstieg des Risikos einer invasiven Aspergillose bei Patienten mit schwerer GvHD),
  • ein HLA Spender-Mismatch (d. h. nicht vollständig übereinstimmende HLA-Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger) oder
  • Transplantationen von einem nicht verwandten Spender,
  • eine CMV-Erkrankung oder
  • andere Infektionen durch respiratorische Viren,
  • eine geringe Anzahl an CD34-Antikörper-positiven Zellen (< 3 x 106 CD34-positive Zellen).

Das Risiko, nach einer Herztransplantation eine invasive Aspergillose zu erleiden – auch ohne Leukopenie –, steigt bei hoher Exposition gegen Aspergillus spp. (z. B. durch fehlende HEPA-Filter in der Krankenhausbelüftungsanlage), bei einer spezifischen genetischen Empfindlichkeit oder wenn antimikrobielle Substanzen eingesetzt werden, um weitere opportunistische Infektionen zu vermeiden.

Hygiene beachten

Die Krankenhausumgebung spielt eine wichtige Rolle für das Infektionsrisiko, insbesondere Bautätigkeit mit Staubentwicklung, aber auch in der häuslichen Umgebung feuchte Wände, mit Schimmel besiedelte Pflanzen und Blumenwasser oder verschimmelte Nahrungsmittel, wobei das Risiko für eine Infektion bei Filterung der Luft z. B. durch HEPA-Filterung, d. h. Filterung von Partikeln und Mikroorganismen, gesenkt werden kann (10).