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Definition und Erfassung der Compliance

Fallkontrollstudien konnten eine Korrelation zwischen asthmabedingter Morbidität und Mortalität und Noncompliance nachweisen (1, 2). Der Erzielung und Aufrechterhaltung der Compliance kommt daher bei Patienten mit chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen eine zentrale Bedeutung zu, was sich auch in den aktuellen Leitlinien zur Therapie des Asthma bronchiale und der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung widerspiegelt (3, 4, 5). Im Allgemeinen nehmen Patienten eher zu wenig als zu viel Medikamente ein. Bei einer schlecht kontrollierten chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankung, sollte daher eine mangelhafte Inhalationstherapie bzw. Einnahme von Medikamenten in Erwägung gezogen werden.

Definition

Unter Compliance versteht man das Ausmaß, im dem das Verhalten einer Person – in Bezug auf die Einnahme eines Medikamentes, das Befolgen einer Diät oder die Veränderung eines Lebensstils – dem ärztlichen Rat oder einem Gesundheitsratschlag folgt (6, 7).

Traditionell könnte der Begriff "konsequentes Befolgen" gleichbedeutend an die Stelle des Begriffs Compliance treten. Im englischen Sprachgebrauch setzt sich jedoch zunehmend der Begriff "adherence" (Adhärenz) statt "compliance" durch. "Adherence" soll ausdrücken, dass der Patient im Idealfall nicht nur passiv den ärztlichen Anweisungen folgt, sondern dem Behandlungsplans oder –vertrag, den er mit dem Arzt aktiv geschlossen hat (8). Die häufigsten Formen der Noncompliance sind das Auslassen und die verzögerte Einnahme einer Dosis.

Messung der Compliance

Messinstrumente

Bei allen Patienten anwendbar

  • Patient fragen!
  • Behandlungserfolg?
  • Hält der Pat. Termine ein?

Falls möglich

  • Medikamentenspiegel
  • Verschreibungen
  • Einnahmemonitoring

nach (9)

In Medikamentenstudien werden Complianceraten üblicherweise als Anteil der tatsächlich vom Patienten angewendeten von der durch den Arzt verschriebenen Dosis angegeben. Der zeitliche Faktor wird in der Regel nicht berücksichtigt.

Ein Beispiel: Ein Patient soll wegen einer Infektion 1 Tablette eines Antibiotikums 4 x täglich über 1 Woche einnehmen. Nimmt er jedoch nur 2 Tabletten täglich über 5 Tage ein, beträgt die Compliance 36 % (10 von 28 möglichen Einnahmen richtig) (10).

Bei der Prüfung der Compliance mit elektronischen Messmethoden zeigte sich, dass sich Patienten in der Regel 5 Tage vor und 5 Tage nach einem Arztbesuch besser an

die Anweisungen halten als an den übrigen Tagen - ein klarer "Weißkittel-Effekt" (11, 12). Anhand solcher Messmethoden konnten auch sechs typische Einnahmemuster bei Patienten identifiziert werden (13, 14):

  • 1/6 der Patienten hält sich fast perfekt an die Einnahmevorschriften.
  • 1/6 der Patienten nimmt nahezu alle Dosen ein, aber zeitlich etwas unregelmäßig.
  • 1/6 der Patienten lässt einzelne Tagesdosen aus und hält sich nicht genau an die zeitlichen Einnahmevorschriften.
  • 1/6 der Patienten "gönnt" sich drei- bis viermal pro Jahr eine Einnahmepause und lässt manchmal Dosen aus.
  • 1/6 der Patienten pausiert jeden Monat oder öfter mit der Medikamenteneinnahme und lässt häufig einzelne Dosen aus.
  • 1/6 der Patienten nimmt wenige oder keine der verschriebenen Dosen, vermittelt jedoch dem Arzt den Eindruck einer guten Compliance.

Anzahl der Verschreibungen

Der regelmäßige Gebrauch von Langzeittherapeutika, wie sie bei Asthma bronchiale oder bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung erforderlich sind, lässt sich in der Praxis häufig schwer überwachen, eine elektronische Erfassung der Medikamenteneinnahme ist für den Einsatz im ärztlichen Alltag nicht geeignet.

In der Regel ist daher die Kontrolle der Compliance anhand der Anzahl von Verschreibungen – möglichst EDV-unterstützt – sinnvoll und für die Belange der Patientenbetreuung ausreichend.