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Erkrankungsbild

Die Induratio penis plastica (Ipp) beschreibt die erworbene Penisverkrümmung, eine gutartige Erkrankung des Penis im Formenkreis der Fibromatosen.

Ipp
In Deutschland hat sich der Begriff der Ipp als Abkürzung der Induratio penis plastica durchgesetzt. Seltener wird auch von peniler Fibromatose gesprochen. Im englischen Sprachgebrauch wird vor allem der Begriff der Peyronie’s Disease verwendet.

François de la Peyronie, französischer Chirurg unter König Ludwig dem XIV., beschrieb 1743 erstmals medizinisch die Induratio penis plastica.

Schematische Zeichnung: Mann in aufrechter Haltung

Aufgrund der Bildung fibröser Plaques in der Tunica albuginea kommt es zum Elastizitätsverlust von Schwellkörperhülle und Schwellkörpern. Verbiegungen des Penis während der Erektion sind die häufige Folge. Klinisch typisch sind dorsale Verbiegungen, die die Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr stark beeinträchtigen oder ihn auch ganz verhindern können.

Begleitende Schmerzen im Penis und schmerzhafte Erektionen sind insbesondere in der ersten, aktiven Erkrankungsphase möglich.

Die Ipp zählt nicht zu den seltenen Erkrankungen. Heute geht man von einer Prävalenz zwischen 3 und 9% aus1, 2. In der medizinischen Praxis ist die Ipp aufgrund der hohen Dunkelziffer allerdings unterrepräsentiert.

Seltene Erkrankungen

Seltene Erkrankungen (rare diseases, orphan diseases) sind in der EU definiert als Erkrankungen, die weniger als 5 von 10.000

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Ipp sind nicht hinreichend geklärt. Als wahrscheinlichste Auslöser der Ipp bei prädisponierten Männern werden Mikrotraumen des Penis – wie sie z.B. beim Abknicken des erigierten Penis während des Geschlechtsverkehrs entstehen können – betrachtet3.

Aktuelle Hypothese zur Ätiologie der Ipp

Solche Mikrotraumen der Schwellkörperhülle verbunden mit Mikroblutungen können lokale Entzündungen zwischen Schwellkörpergewebe (Corpora cavernosa) und Schwellkörperhülle (Tunica albuginea) auslösen, die wiederum der Bildung von Narbengewebe vorausgehen4.

Die Überproduktion von Kollagen führt schließlich zur Bildung der tastbaren Plaques4.

Inwieweit bzw. in welchem Umfang genetische oder immunologische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Ipp spielen, konnte bislang nicht wissenschaftlich belegt werden4.

Rationale für Screening und Therapie

Aufgrund der unklaren Ätiologie existiert keine kausale Therapie der Ipp. Verschiedene Therapieansätze richten sich vor allem auf die Zerstörung der Plaques bzw. auf die Verhinderung der Neubildung von Narbengewebe und damit der Progression. Insgesamt muss die Therapiesituation der Ipp als begrenzt beschrieben werden.

Die Ipp ist keine bedrohliche Erkrankung, für den Patienten aber mit erheblichen Einbußen der Lebensqualität verbunden. Die Ipp ist physisch als auch psychisch sehr belastend, sowohl für den Patienten selbst als auch für dessen Partner. Knapp 50% der Ipp-Patienten leiden aufgrund der Erkrankung an klinisch relevanten Depressionen (mild bis moderat)5.

Manche Patienten interpretieren die ersten Anzeichen der Ipp – tastbare kleine, noch weiche Knötchen am Penisschaft - nicht korrekt. Dies liegt auch daran, dass die Erkrankung in der Bevölkerung weitgehend unbekannt ist. Bis beim einzelnen Patienten die Diagnose Induratio penis plastica gestellt wird, kann so therapeutisch wertvolle Zeit vergehen.

Darüberhinaus lässt das Schamgefühl Patienten erst spät zum Arzt gehen. Falsche Vorstellungen über die Entstehung der Penisverkrümmung können diese Scham noch schüren.

Ein einfaches Screening der Patienten auf eine mögliche Ipp könnte sowohl die Diagnoserate erhöhen als auch zur Optimierung des individuellen therapeutischen Outcomes beitragen.

Quellen:

  1. Schwarzer U et al. The prevalence of Peyronie‘s disease: results of a large survey. BJU Int 2001; 88:727-30
  2. Mulhall JP et al. Subjective and objective analysis of the prevalence of Peyronie‘s disease in a population of men presenting for prostate cancer screening. J Urol 2004; 171(6 Pt 1):2350-3
  3. Ralph D et al. The Management of Peyronie‘s Disease: Evidence-based 2010 Guidelines. J Sex Med 4 2010;7:2359-74
  4. Zimmermann R. Pathophysiologie der Induratio penis plastica: Aktueller Kenntnisstand. J Urol Urogynäkol 2008;15(2):22-9
  5. Nelson CJ. The chronology of depression and distress in men with Peyronie's disease. J Sex Med 2008;5(8):1985-90

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