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Therapiebeispiel 3: Ipp-Patient mit Diabetes mellitus

Frank G., 44 Jahre

Patient Frank G.

Der 44-jährige kaufmännische Angestellte Frank G. ist Typ 2-Diabetiker. Im Rahmen der Kontrolluntersuchungen spricht Dr. Schmidt den Patienten, wie in den Leitlinien vorgesehen, auch auf seine sexuelle Zufriedenheit an.

Frank G. berichtet Dr. Schmidt zögerlich von einer störenden Penisverkrümmung. Auch habe er den Eindruck, sein Penis sei kürzer geworden. Geschlechtsverkehr sei möglich, aber schon leicht beeinträchtigt. Schmerzen habe er keine. Frank G. ist sich nicht genau sicher, wann er erste Anzeichen bemerkt hat. Es sei aber schon Monate her. Zum Arzt zu gehen, sei ihm unangenehm gewesen.

Ipp und Diabetes
Ipp-Patienten mit Diabetes leiden weniger häufig unter Schmerzsymptomen. Man führt dies u.a. auf die diabetische Neuropathie zurück.

Dr. Schmidt untersucht Frank G. und kann einen dorsalen Plaque tasten. Im Ultraschall bestätigt sich das Bild. Der Plaque ist noch nicht kalzifiziert. Dr. Schmidt stellt folgende Diagnose

  • Ipp in der ersten entzündlichen Phase
  • nicht-kalzifizierter Plaque
  • störende Deviation, evtl. Verkürzung des Penis. Durch die Plaques in Schwellkörpern kann es auch zu narbigen Gewebeschrumpfungen kommen. Die Patienten stellen dann eine Verkürzung des Penis fest. Auch eine Verschmälerung der Schwellkörper während der Erektion ist durch die Plaquebildung möglich1.
  • Geschlechtsverkehr möglich, aber erschwert.
  • Begleiterkrankung Diabetes mellitus

Um sich ein genaues Bild der Deviation und des Deviationswinkels machen zu können, bittet Dr. Schmidt den Patienten, um eine Autofotografie. Frank G. bringt zum nächsten Termin bei Dr. Schmidt selbst angefertigte Fotos der Penisdeviation mit: Es handelt sich um eine dorsale Verbiegung. Mit einem Deviationswinkel von etwa 45 Grad handelt es sich um einen mittleren Deformationsgrad.

Frage: Welche Therapieschritte wird Dr. Schmidt dem Patienten Frank G. empfehlen?

  • orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat
  • intraläsionale Therapie z.B. Verapamil
  • orale Schmerztherapie
  • topische Schmerztherapie
  • ESWT
  • Iontophorese
  • operative Korrektur

Hintergrund: Ipp beim Diabetiker
Diabetiker sind Risikopatienten für die Entwicklung einer Ipp. Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist das Risiko, eine Ipp zu entwickeln, bis zu 6-fach erhöht (bis zu 18,3 vs. 3,2%)2.

Ipp-Patienten mit Diabetes haben zudem ein höheres Risiko für schwere Deformationen des Penis3:

Risikofaktor für IPP: Diabetes mellitus

Während Patienten ohne weitere Risikofaktoren hauptsächlich leichte und mittlere Penisdeformationen aufweisen, weisen diabetische Ipp-Patienten eine Verschiebung zu mittleren bis schweren Deformationen auf.

Mit einer schweren Deformation (Deviationswinkel über 60 Grad) ist kein Geschlechtsverkehr mehr möglich.

Diabetiker müssen mit einem längeren Krankheitsverlauf rechnen. Die instabile Phase ist mit median 24 Monaten doppelt so lang wie median 12 Monate bei Patienten ohne Begleiterkrankungen3. Bei Diabetikern, die ohnehin ein erhöhtes Risiko einer Erektilen Dysfunktion haben, wird dieses Risiko durch die Ipp noch gesteigert. Über 80% der Ipp-Patienten mit Diabetes leiden parallel an ED3,4.

Fazit
Der diabetische Patient hat nicht nur ein grundsätzlich erhöhtes Risiko, eine Ipp zu entwickeln, sondern ist prädisponiert für lange Verläufe, schwere Deformationen und Erektile Dysfunktion.


Dr. Schmidt klärt seinen Patienten Frank G. über die Behandlungsmöglichkeiten auf:

Grüner OK-Haken

Orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat
Die orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat kann die Progression der Deviation verhindern.
Selbst wenn der Patient Frank G. bereits einen mittleren Deviationsgrad entwickelt hat, so ist bei ihm als Diabetiker mit einem verlängertem Krankheitsverlauf und einer weiteren Zunahme der Penisdeformation zu rechnen. Durch die Therapie soll die Progression aufgehalten und damit auch die Erkrankung stabilisiert werden.

Ein Rückgang der Deviation ist durch die Therapie nicht zu erwarten. Dr. Schmidt klärt den Patienten a auf, dass es bei etwa 12% der Patienten zu Spontanremissionen kommen kann5.

Alternativ kommen für den Patienten Frank G. folgende Behandlungsmethoden in Frage:

  • Intraläsionale Therapie, z.B. mit Verapamil
  • Iontophorese mit Verapamil und Dexamethason

Bei der Wahl der Behandlungsmethode ist hier zwischen Studienlage und möglichem Outcome abzuwägen. Kalium-4-aminobenzoat ist für die Verhinderung der Deviationsprogression zugelassen. Allerdings ist keine Rückbildung der Verkrümmung zu erwarten. Sowohl die intraläsionale Therapie als auch die Iontophorese können vielversprechende Methoden sein, um die Deviation zu reduzieren. Allerdings ist die Studienlage gering.

rotes x

Orale oder topische Schmerzmedikation
Frank G. in Frage leidet weder an Erektions- noch an Ruheschmerzen und benötigt daher keine Schmerzmedikation.

rotes x

ESWT
Das Verfahren der ESWT wird von den Leitlinien nur zur Behandlung von Schmerzsymptomen empfohlen. Frank G. leidet weder an Erektions- noch an Ruheschmerzen.

rotes x

Operative Korrektur
Eine Operation ist bei Patienten in der chronischen Erkrankungsphase angezeigt, denen der Geschlechtsverkehr aufgrund der Ipp nicht mehr möglich ist. Frank G. hat einen mittleren Deformationsgrad, d.h. der Geschlechtsverkehr ist erschwert. Allerdings ist der Patient in der ersten, akuten Erkrankungsphase und kommt für eine Operation deshalb nicht in Frage.

Quelle:

  1. Hauptmann A et al. Induratio penis plastice (Ipp), Diagnostik und Therapie. Urologe 2011;50:609-20
  2. Schwarzer U et al. The prevalence of Peyronie‘s disease: results of a large survey. BJU Int 2001;88:727-30
  3. Kenderici M et al. Daibetes mellitus is associatet with severe Peyronie‘s disease. BJU International 2007:99;383-6
  4. Tefekli A et al. Peyronies disease: a silent consequence of diabetes mellitus. Asion J Androl 2006;8(1):75-9
  5. Mulhall JP et al. Subjective and objective analysis of the prevalence of Peyronie‘s disease in apopulation of men presenting for prostate cancer screening. J Urol 2004; 171(6 Pt 1):2350-3

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