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Therapiebeispiel 2: Ipp-Patient im Frühstadium der Erkrankung

Simon S., 35 Jahre

Patient Simon S.

Eventmanager Simon S. ist 35 Jahre alt, sportlich und achtet, soweit es sein stressiger Job es ihm erlaubt, auf seine Gesundheit. Er ist heute für einen allgemeinen Check in der Praxis.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass Simon S. an schmerzhaften Erektionen und seit kurzem auch an Ruheschmerzen im Penis leidet. Simon S. hat keine Knötchen am Penis getastet und schildert auch keine Penisverbiegung.

Durch Palpation kann Dr. Schmidt kleine, noch weiche Knötchen am Penisschaft ertasten. Im Ultraschall bestätigt sich der Befund:

  • Ipp im Frühstadium
  • nicht-kalzifierte Plaques
  • schmerzhafte Erektionen und Ruheschmerzen
  • keine Deviation
  • Geschlechtsverkehr möglich

Frage: Welche Therapieschritte wird Dr. Schmidt dem Patienten Simon S. empfehlen?

  • orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat
  • intraläsionale Therapie z.B. Verapamil
  • orale Schmerztherapie
  • topische Schmerztherapie
  • nur ESWT
  • Iontophorese
  • operative Korrektur

Dr. Schmidt bespricht mit Simon S. die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen:

Grüner OK-Haken

Schmerzbehandlung mit ESWT
Patienten mit vorherrschenden Schmerzsymptomen ohne Deviation können von der ESWT profitieren1.
Effekte auf Penisverbiegung und Plaque-Größe konnten jedoch nicht nachgewiesen werden. Die Leitlinien empfehlen das Verfahren ausschließlich zur Schmerzbehandlung1.
Eine Schmerzbehandlung mit der Extrakorporalen Stoßwellentherapie kommt für Simon S. grundsätzlich in Frage. Dr. Schmidt entscheidet sich aber vorerst für die orale bzw. topische Schmerztherapie. Erst bei Nicht-Ansprechen würde er den Patienten an einen spezialisierten Facharzt zur ESWT überweisen.

Grüner OK-Haken

Orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat
Die orale Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat kann sowohl die Progression als auch die Neubildung einer Deviation verhindern. Die Therapie würde für den Patienten grundsätzlich in Frage kommen.
Dr. Schmidt klärt den Patienten auf, dass nicht alle Ipp-Patienten zwangsläufig eine Verkrümmung erleiden. Außerdem kann es bei etwa 12% der Patienten zu Spontanremissionen kommen2.
Simon S. entscheidet sich vorab nur für die Schmerzbehandlung. Er selbst hat Zweifel an seiner Compliance bei der Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat. Bei einem Kontrolltermin in drei Monaten soll über die weitere Therapie entschieden werden.

rotes x

Intraläsionale Therapie
Bei der intraläsionalen Therapie ist eine Schmerzreduktion möglich, der erhoffte Benefit richtet sich jedoch primär auf die Kombination von Reduktion der Deviation und Schmerz. Da der Patient keine Verbiegung aufweist, entscheidet sich Dr. Schmidt gegen die intraläsionale Therapie

rotes x

Iontophorese
Bei der Iontophorese ist eine Schmerzreduktion grundsätzlich möglich, der erhoffte Benefit richtet sich aber auf die Kombination von Reduktion der Deviation und Schmerz. Zudem ist der Stellenwert des Verfahrens in der Therapie der Ipp noch unklar. Für die reine Schmerzbehandlung empfiehlt Dr. Schmidt keine Iontophorese.

Grüner OK-Haken

Orale oder topische Schmerzmedikation
Dr. Schmidt empfiehlt seinem Patienten, mit einer topischen Schmerztherapie zu starten. Bei unzureichendem Ansprechen stehen weitere Therapiemöglichkeiten, wie z.B. die Schmerzbehandlung mit Extrakorporalen Stoßwellen (ESWT), zur Verfügung.

rotes x

Operative Korrektur
Eine Operation ist bei Patienten in der chronischen Erkrankungsphase angezeigt, denen der Geschlechtsverkehr aufgrund der Ipp nicht mehr möglich ist. Simon S. ist in der akuten Erkrankungsphase und zeigt keine Deviationen. Eine Operation ist daher nicht angezeigt.

Compliance
Bei der oralen Therapie mit Kalium-4-aminobenzoat ist die Compliance bzw. Adhärenz bedeutend für den Therapieerfolg.

Der Patient nimmt insgesamt 24 Hartkapseln (bzw. 4 Beutel zum Herstellen einer Lösung) pro Tag ein. Die Dosis von 12g sollte nicht reduziert werden. Mögliche gastroenterale Nebenwirkungen können durch die Einnahme der Kapseln/der Lösung während einer Mahlzeit verringert werden.

Quellen:

  1. Wespes E et al. Guidelines on Penile Curvature. European Association of Urology 2012, Feb, 2012
  2. Mulhall JP et al. Subjective and objective analysis of the prevalence of Peyronie‘s disease in a population of men presenting for prostate cancer screening. J Urol 2004; 171(6 Pt 1):2350-3

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