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Therapieoptionen im Überblick

Bisher wurde mit einer Vielzahl von Wirkstoffen Therapieversuche der Ipp unternommen. Nachfolgend sollen die Wirkstoffe und konservativen Verfahren aufgeführt werden, die sich in den Leitlinien wiederfinden.

Orale Therapie

  • Kalium-4-aminobenzoat ist der einzige zugelassene Wirkstoff für die Behandlung der Ipp.
  • Die Wirkstoffe Vitamin E, Tamoxifen, Kolchizin, Carnitine, Pentoxifillin werden in den neuen Leitlinien nicht empfohlen1
  • Bislang gibt es keine orale Therapie, die eine Rückbildung der Penisdeviation nachweisen konnte. Neubildung und Progression der Deformation können allerdings verhindert werden.

Kalium-4-aminobenzoat

Rationale

antifibrotischer Effekt
antiinflammatorischer Effekt

Benefit

nachgewiesene Hemmung der Deviationsprogression/Stabilisierung der Erkrankung
signifikante Verkleinerung der Plaques
positiver Effekt auf Schmerz möglich

Datenlage

Doppelblinde, placebokontrollierte Studie

Darreichungsform & Therapie

Kapseln oder Pulver; 12g pro Tag, mindestens über eine Dauer von 3 Monaten

Sonstiges

In Deutschland einziges für die Indikation Ipp zugelassenes Medikament

Welche Patienten profitieren?

Patienten in der Frühphase der Erkrankung, bei denen die Entstehung oder Zunahme der Deviation verhindert werden kann.

Wirkstoffe

Vitamin E
keine Empfehlung

Die Gabe von Vitamin E ist in der Praxis nicht unüblich. Vorteile sind u.a. Verfügbarkeit, geringe Kosten und ein gutes Sicherheitsprofil2. Ein Effekt auf  die Ipp-Symptomatik konnte nicht nachgewiesen werden.

Tamoxifen
keine Empfehlung

Trotz vielversprechendem Ansatz (Verringerung der Fibroblastenproliferation und Kollagenproduktion) kein therapeutischer Vorteil gegenüber Placebo nachweisbar3.

Kolchicin
keine Empfehlung

Kolchizin hat eher historische Bedeutung in der Behandlung der Ipp. Die signifikante Effektivität konnte nicht nachgewiesen werden2,3.

Carnitine
keine Empfehlung

Die angestrebte Steigerung des Energiemetabolismus und die Verbesserung des Reparaturmechanismus konnte in Studien nicht gezeigt werden. Kein klinisch relevanter Effekt auf die Ipp3.

Pentoxifillin
keine Empfehlung

Erste Berichte klingen positiv. Inwieweit der Wirkstoff zur Behandlung der Ipp empfohlen werden kann, muss sich noch durch weitere Studien zeigen. Aktuell keine Empfehlungen in den Guidelines.

Intraläsionale Therapie

  • Von den Injektionen in das betroffene Gewebe erhofft man sich höhere Wirkstoffspiegel. Insbesondere die Injektion von Verapamil scheint vielversprechend.
  • Kollagenase oder Interferon stehen ebenfalls zur Verfügung. Von Injektionen mit Kortison wird mangels Effekt abgeraten.
  • Wissenschaftlicher Nachweis in größeren Studien fehlt.

Verapamil

Rationale

Abbau von krankem Bindegewebe und Hemmung der Neubildung (Verminderung der Kollagenproduktion, vermehrte Kollagenaseaktivität)

Benefit

Reduktion der Deviation möglich
Reduktion des Plaque-Volumens möglich

Datenlage

Datenlage noch gering. Kleinere Studien vielversprechend. Randomisierte placebokontrollierte Studie zeigt allerdings keine signifikanten Ergebnisse.

Darreichungsform & Therapie

Injektion à 10 mg. 12 Sitzungen über 3 Monate.

Welche Patienten profitieren?

Annahmen: Patienten mit nicht-kalzifizierten Plaques in der Frühphase. Evtl. auch Patienten in der chronischen Phase. Evtl. besseres Outcome bei jüngeren Patienten und schwereren Verbiegungen at baseline2.

Kollagenase

Rationale

Kollagen wird durch die Enzyme abgebaut.

Benefit

Reduktion der Deviation möglich
Reduktion des Plaque-Größe möglich

Datenlage

Neue Studienergebnisse sind in Kürze zu erwarten (Stand: Dezember 2012).

Darreichungsform & Therapie

Injektion. Zwei Behandlungszyklen à 3 Injektionen.

Sonstiges

Kollagenase wird bei Morbus Dupytren erfolgreich eingesetzt. Bei der Behandlung der Ipp ist der Status eher unklar.

Welche Patienten profitieren?

Annahmen: Patienten mit kleineren nicht-kalzifizierten Plaques und Deviationen < 60 Grad2.

Interferon

Rationale

Steigerung der Kollagenaseaktivität. Verminderung der Fibroplastenproliferation und Kollagensynthese.

Benefit

Reduktion der Deviation möglich
Reduktion der Plaque-Größe und –Festigkeit möglich
Schmerzreduktion möglich

Datenlage

Multizentrische Studie mit hohem Evidenzgrad. Allerdings auch widersprüchliche Daten vorhanden2,3.

Darreichungsform & Therapie

Injektion. 24 Sitzungen in 3 Monaten.

Sonstiges

Teure Therapieform, Bedeutung in der Praxis gering.

Welche Patienten profitieren?

Annahmen: Patienten mit nicht-kalzifizierten Plaques in der Frühphase. Evtl. auch Patienten in der chronischen Phase. Evtl. besseres Outcome bei jüngeren Patienten2.

Topische Therapie (mit Iontophorese)1, 2

  • Verapamil in Kombination mit Dexamethason via Iontophorese.

Iontophorese (Verapamil + Dexamethason)

Rationale

Iontophorese (EMDA, Electromotive Drug Administration): die transdermale Behandlung mit schwachem Gleichstrom ermöglicht eine hohe lokale Medikamentenkonzentration. Die Wirkstoffkombination Verapamil + Dexamethason scheint am effektivsten.

Benefit

Reduktion der Deviation möglich
Reduktion der Plaque-Größe möglich
Positiver Effekt auf Erektionsschmerzen möglich

Datenlage

Datenlage nicht eindeutig. Stellenwert in der Therapie der Ipp bislang unklar.

Darreichungsform & Therapie

Verapamil 5mg + Dexamethason 8mg via Iontophorese.

Welche Patienten profitieren?

Annahmen: Patienten mit nicht-kalzifizierten Plaques in der Frühphase. Evtl. auch speziell für die Schmerztherapie in der frühen Phase.

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)2

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Rationale

Ursprünglich erhoffte man sich von der ESWT eine direkte Zerstörung der Plaques oder auch eine vermehrte Durchblutung des Gewebes sowei eine Anregung anti-inflammatorischer Prozesse.

Benefit

Schmerzreduktion

Datenlage

Studien konnte keinen Effekt auf Deviation oder Plaque-Größe nachweisen. Signifikante Verbesserung konnte allerdings beim Faktor Schmerz gezeigt werden.

Welche Patienten profitieren?

Annahmen: Patienten mit Schmerzsymptomen in der Frühphase der Erkrankung.

Mechanische Therapieverfahren2

  • Penis-Streckapparate und Vakuumpumpen

Mechanische Penis-Streckung

Rationale

Durch kontinuierlichen leichten Zug auf das Gewebe soll es zu einer Neuformung des Bindegewebes kommen.

Benefit

Reduktion der Deviation möglich
Zunahme der Länger möglich

Datenlage

Niedriger Evidenzgrad und niedriger Empfehlungsgrad.

Darreichungsform & Therapie

Penis-Streckapparate, mehrere Stunden täglich über 6 Monate
Vakuum-Pumpe, 20 Minuten täglich über 3 Monate

Sonstiges

Anwendung auch abhängig vom Patientenwunsch

Welche Patienten profitieren?

Therapieempfehlungen fehlen

Hinweis: Bei der Auswahl geeigneter Therapieoptionen sind jeweils die Gegenanzeigen und Nebenwirkungshinweise zu beachten. Siehe jeweilige Fachinformation.

Quellen:

  1. Wespes E et al. Guidelines on Penile Curvature. European Association of Urology 2012, Feb, 2012
  2. vgl. europ. Leitlinien 2012
  3. vgl. Leitlinien 2010; vgl. Zimmermann 2011

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