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Nebenwirkungen

Nebenwirkungen der HAART stellen ein Problem dar, über das Ärzte schon vor der ersten Medikamenteneinnahme mit ihren HIV-Patienten sprechen sollten. Gerade akute Nebenwirkungen wie zentralnervöse Symptome und Diarrhoe, aber auch langfristige metabolische Nebenwirkungen, können die Adhärenz verschlechtern und damit den Langzeiterfolg der Therapie gefährden (30). Nebenwirkungen können Patienten veranlassen, einzelne Dosierungen nicht einzunehmen oder sie erschweren - wie etwa bei Übelkeit oder Erbrechen - die Einnahme und Resorption der Medikamente (31).

Abb. Gründe für das Abbrechen einer HAART (nach (31))

Diarrhoe
Gastrointestinale Symptome wie Diarrhoe oder Übelkeit gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen HIV-Infizierter. Für behandelnde Ärzte stellt die differenzialdiagnostische Abklärung gastrointestinaler Symptome eine Herausforderung dar, da sie als Nebenwirkungen einer antiretroviralen Therapie, aber auch als Ausdruck einer Magen-Darm-Erkrankung mit oder ohne Zusammenhang zur HIV-Infektion auftreten können.

In Befragungen gaben ca. 60 % der HIV-Patienten an, während der HAART an einem oder mehreren weichen Stühlen pro Tag zu leiden (32-34). Durch eine effektive Kontrolle einer belastenden, therapieassoziierten Diarrhoe lässt sich vermutlich die Adhärenz der Patienten verbessern.

Hingewiesen werden soll auch auf die Notwendigkeit einer ausreichenden gastroenterologischen Abklärung bei chronischer Diarrhoe!

Metabolische Nebenwirkungen
Viele HIV-Patienten entwickeln unter einer antiretroviralen Therapie zentrale Kriterien des so genannten metabolischen Syndroms. Dazu zählen u. a. Insulinresistenz, Dyslipidämie und zentrale Adipositas. Zusätzliche körperliche Veränderungen im Rahmen einer Lipodystrophie - oder die Angst davor -, belasten Aussehen, Gefühlsleben und Lebensqualität der Patienten. Stoffwechselstörungen werden am häufigsten unter einer Therapie mit Proteaseinhibitoren und geringer ausgeprägt mit NNRTIs beobachtet; NRTIs bewirken moderate Anstiege der Blutfette. Hyperlipidämien werden speziell bei den mit Ritonavir geboosterten Regimes beobachtet.

Das Lipodystrophie-Syndrom bei HIV-Infektion wurde nach Einführung der HAART und insbesondere der Proteaseinhibitoren nach 1996 häufiger beobachtet. Die Veränderungen gehen dabei nicht nur mit einer Akkumulation, sondern auch mit einer mindestens ebenso belastenden Atrophie von Fettgewebe, beispielsweise im Bereich des Gesichts, einher.

Abb. Häufigkeit von Stoffwechselstörungen bei HIV-Patienten

Lösungsansätze
Aufgrund der Belastung für die Patienten und der Gefahr einer Verschlechterung der Adhärenz erfordern Nebenwirkungen eine konsequente Diagnostik und entsprechende Interventionen. Es besteht z. B. die Möglichkeit, die Therapie zu ändern oder notfalls vorübergehend abzusetzen. Andere Lösungsansätze sind Dosismodifikationen und/oder eine zusätzlich medikamentöse Behandlung, beispielsweise mit Statinen zur Cholesterinsenkung (Wechselwirkungen beachten!) oder Metformin bei Insulinresistenz (35). Steht eine nebenwirkungsärmere Therapie zur Verfügung, sollte die antiretrovirale Therapie evtl. umgestellt werden.

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