cme.medlearning.de - CME Logo

Sonstige Gründe für mangelnde Adhärenz

Vielen Patienten ist, wie ich aus unzähligen Gesprächen erfahren habe, besonders zu Beginn einer HAART die Wichtigkeit der Adhärenz gar nicht bewusst. Das liegt oft auch an der Notwendigkeit einer sehr disziplinierten Einnahme der Medikamente. Bei kaum einer anderen Therapie müssen Tabletten möglichst immer zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Dies ist zwar mittlerweile mit den neueren Therapieformen, z. B. Proteaseinhibitoren nicht mehr ganz so wichtig. Trotzdem obliegt dem Patienten eine sehr große Verantwortung für die Wirksamkeit der Therapie.

Aus meiner Erfahrung als Patienten-Aktivist und der damit verbundenen Beratungsarbeit habe ich gelernt, dass diese Zusammenhänge nicht nur einmal sondern kontinuierlich während einer HAART in das Therapie-Konzept einfließen müssen, um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen und damit den Therapie-Erfolg nicht unwesentlich zu beeinflussen.

Sicherlich gibt es Patienten, die wirklich quasi "von selbst" in hohem Maße adhärent sind, aber diese dürften wohl deutlich in der Minderzahl sein.

Für die meisten anderen Patienten gilt wohl am ehesten die alte Weisheit: "Steter Tropfen höhlt den Stein…", will sagen dass es einer kontinuierlichen Betreuung und Befragung durch den Behandler bedarf.

Oftmals sind aber auch ganz andere Umstände und Einflüsse der Grund einer schlechten Adhärenz. So haben viele HIV-Infizierte am Arbeitsplatz Probleme mit einer von den Kollegen und Vorgesetzten unbemerkten Einnahme. Das Gleiche gilt z. B. auch für Patienten, die in konservativen Familien leben.

Oder Patienten arbeiten im Schichtdienst (Industrie, Flugbegleiter) und haben schon aus Zeitgründen Schwierigkeiten, die Medikation den Anforderungen entsprechend einzunehmen.

Auch bei diskordanten Paaren und im heterosexuellen Bereich treten eher Schwierigkeiten auf als im Schwulen-Milieu.

Es empfiehlt sich auch, mit höchstem Respekt nach sexuellen Praktiken zu fragen.

Ein oft nicht bekannter Grund kann im religiösen Umfeld liegen: So dürfen z. B. gläubige Muslime im Fastenmonat zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang keinerlei Nahrung zu sich nehmen. Dazu zählen Patienten oft auch die eigene antiretrovirale Therapie.

Vielen dieser Gründe kommt der Behandler nur durch ausführliche Gespräche auf die Spur. Daher sollten solche Gespräche gerade in Bezug auf eine optimale Adhärenz einen breiten Raum einnehmen.

Sicherlich gibt es noch viele andere Gründe, die im persönlichen Umfeld der Patienten zu suchen sind. Auch dazu kann ich nur den Rat zu ausführlichen Gesprächen wiederholen.

Es gehört auch zu einem guten Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, als Arzt zu erkennen, wo die Grenzen des Verstehens von Patienten liegen.

Intellekt, Bildung, Sprachschwierigkeiten setzen dem Verständnis der Patienten über die Wirkung einer HAART all zu oft deutliche Grenzen.

Gerade bei diesen Patienten ist das gegenseitige Vertrauen noch wichtiger als bei dem "normalen" HIV-Patienten.

 Back to Top

 

Valid XHTML 1.0 Transitional