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Folgen von Adhärenz und Nicht-Adhärenz

Im Allgemeinen spiegelt eine gute Therapieadhärenz ein besseres Gesundheitsverhalten der Patienten wider. Wie eine Metaanalyse von 21 Publikationen mit 46 847 eingeschlossenen Patienten zeigen konnte, führt eine gute Adhärenz zu einer Halbierung des Mortalitätsrisikos (28). Untersucht wurde das Outcome einer medikamentösen Therapie nach Myokardinfarkt, der Therapie von HIV-Patienten, des Typ-2-Diabetes, der Hypercholesterinämie oder der Herzinsuffizienz sowie der medikamentösen Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen und der Immunsuppression nach Organtransplantation (28).

Auch Plazebo-Adhärenz wirkt
Wurden nur die Plazeboarme von 8 Therapiestudien mit 19 633 Patienten ausgewertet, wies die Gruppe mit guter Adhärenz gegenüber der Gruppe mit schlechter Adhärenz ein um 44 % niedrigeres Mortalitätsrisiko auf (28). Für den behandelnden Arzt bedeutet dies, dass er gesundheitsbewusstes Verhalten mindestens ebenso fördern sollte wie die Verordnung des richtigen Medikaments.

Risiko der Krankheitsprogression
Die genaue Einhaltung der medikamentösen Therapiepläne ist bei HIV-Infektion besonders wichtig. Unbehandelte Patienten weisen ein hohes Niveau der Virusreplikation auf und die Suppression der viralen Replikation durch HAART reduziert die HIV-bezogene Morbidität und Mortalität stark (29). Eine bessere Adhärenz ist mit einer erhöhten virologischen Responserate und einem Anstieg der CD4-Helferzellzahl verknüpft; Resistenzen treten seltener auf. Optimale Adhärenz vermeidet Resistenzen, reduziert demzufolge langfristig das virologische Versagen der HAART und verbessert die Chance auf Langzeitüberleben der Patienten (30).

Eine ungenügende Adhärenz mit weniger als etwa 90 – 95 % Einnahme der verschriebenen Dosen, selbst nur gelegentlich, kann rasch zur Selektion resistenter Virusvarianten führen und ein virologisches Versagen induzieren (31, 32).

Potenzieller Anstieg der Neuinfektionsrate
Steigende Resistenzraten, unter anderem als Ergebnis ungenügender Adhärenz stehen möglicherweise in Zusammenhang mit potenziell steigenden Neuinfektionsraten mit resistenten Viren. Darauf weisen Daten zur primär erworbenen Resistenz aus Großbritannien (33) und den USA (34) hin. Darüber hinaus legen die Ergebnisse von Fragebogen- und Interviewstudien nahe, dass Patienten mit niedrigem Adhärenzniveau ein ausgeprägteres Risikoverhalten aufweisen. Sie haben signifikant mehr Sex-Partner und praktizieren seltener Safer-Sex mit nicht infizierten Partnern (35).

Gesundheitsökonomische Aspekte
Schlechtere Adhärenz mit zunehmender Resistenz gegen antiretrovirale Standardtherapien erhöht den Bedarf an Second-line- und Salvagetherapien. Aufgrund des höheren Risikos einer Krankheitsprogression und eines höheren Komplikationsrisikos, z. B. im Hinblick auf opportunistische Infektionen, entstehen höhere Therapiekosten.

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