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Adhärenzraten bei HIV-Infektion

Besonders bei HIV-Patienten ist ein hoher Grad an Adhärenz unabdingbar, um einen optimalen Benefit von einer HAART zu haben, die oft im Hinblick auf die Tablettenzahl, die Häufigkeit der Tabletteneinnahme sowie diätetische Restriktionen komplex ist (20). Doch auch bei HIV-Patienten besteht ein Adhärenzproblem. So gaben nur 47 % von 261 Patienten der prospektiven ATHENA-Kohortenstudie an, alle antiretroviralen Medikamente zu den richtigen Zeitpunkten mit den entsprechenden Nahrungsvorgaben innerhalb der letzten Woche eingenommen zu haben (21). Zusätzlich nimmt der Anteil der adhärenten Patienten mit der Dauer der Therapie ab.

Was heißt "optimale" Adhärenz bei HIV-Infektion?
Es gibt keine einheitliche Meinung, was als angemessene Adhärenz im Rahmen der Therapie einer chronischen Erkrankung zu bezeichnen ist. Während manche Autoren Adhärenzraten von 80 % als adäquat ansehen, verlangen andere Adhärenzraten von mehr als 95 %, besonders bei ernsthaften Erkrankungen.

Bei HIV-Infektion konnte ein Zusammenhang zwischen Adhärenz und kompletter Virussuppression nachgewiesen werden. Paterson et al. zeigten beispielsweise, dass die Adhärenzrate in 6 Monaten antiretroviraler Therapie mit Proteaseinhibitoren mit dem Therapieerfolg (Virussuppression <500 HIV-RNA-Kopien/ml) korrelierte (22).

Abb. Komplette Virussuppression (< 500 HIV-RNA-Kopien/ml) in Abhängigkeit von der Compliance der Patienten (nach (22))

Unterschiede zwischen antiretroviralen Substanzen
Eine andere Studie von Maggiolo et al. aus dem Jahr 2005 bestätigte den linearen Zusammenhang zwischen der Adhärenzrate, bestimmt nach dem "Adult AIDS Clinical Trials Group Adherence Follow-up Questionnaire", und dem virologischen Versagen innerhalb der 6 Monate nach Aufnahme in die Studie (23).

Zudem zeigten sich in dieser Studie Unterschiede zwischen den eingesetzten antiretroviralen Substanzen: Patienten, die NNRTI erhielten, berichteten über eine bessere Adhärenz als Patienten, die Proteaseinhibitoren erhielten.

Abb. Unterschiedliche Adhärenzraten bei Proteaseinhibitoren- vs. NNRTI-basierter Therapie (23).

Verschiedene Therapieregimes können demnach bei gleichem Therapieerfolg oder Versagensrisiko ein unterschiedliches Ausmaß der Adhärenz tolerieren.

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