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Einfluss des Inhalationstherapieregimes

Trotz der Fortschritte bei der Entwicklung der bisherigen Inhalationssysteme bevorzugen Patienten im Allgemeinen die orale Einnahme eines Medikaments gegenüber der Inhalationstherapie (28, 29). Der wahrscheinlichste Grund ist, dass die Einnahme einer Tablette immer noch einfacher und schneller zu bewerkstelligen ist, als die korrekte Anwendung eines Inhalationsgerätes, die inzwischen nur eine kurze Zeit beansprucht. Im Hinblick auf das Regime einer Inhalationstherapie sind vor allem drei Größen bedeutsam, die einen Einfluss auf die Compliance ausüben und die im Folgenden beschrieben werden: die Dosierungsfrequenz, die Kombinationstherapie und die Art der inhalierten Substanz.

Höhere Dosierungsfrequenz – schlechtere Compliance

Die Medikamentencompliance hängt zunächst einmal mit der Frequenz der anzuwendenden Dosierungen zusammen. Dieser Zusammenhang konnte z. B. bei der Gabe von oralen Medikamenten wie Antihypertensiva und Antiepileptika nachgewiesen werden (30, 31) und ebenso bei inhalierten Medikamenten. So untersuchten Coutts et al. (32) in einer Studie bei Kindern mit einer elektronischen Messvorrichtung die Compliance bei einer zweimaligen, dreimaligen und viermaligen Anwendung von inhalierbaren Kortikoiden und insgesamt gleicher Anzahl von Hüben (s. nachfolgende Tabelle). Als Compliance-Tage wurden dabei diejenigen Tage bezeichnet, in denen die korrekte Anzahl der Hübe zu richtigen Zeit verabreicht wurden. Wie bei oralen Therapeutika nahm bei der Inhalationstherapie die Compliance mit steigender Dosierungsfrequenz ab.

Tabelle: Zusammenhang zwischen Dosierungsfrequenz und Compliance bei prophylaktischer inhalativer Medikation

Verschriebene Frequenz (Dosierungen/Tag) Berichtete Compliance (% der Tage) Gemessene Compliance (% der Tage)
2
96
71
3
90
34
4
69
18
modifiziert nach (32).

Kombinationstherapie

Die Anwendung von zwei inhalativen Substanzen in Kombination kann theoretisch die Anzahl der erforderlichen Anwendungen halbieren. Damit sollte eine Verbesserung der Compliance zu erzielen sein. In der Studie von Bosley et al. zeigte sich jedoch kein Vorteil einer kombinierten Anwendung des Kortikoids Budesonid mit dem kurz wirkenden β2-Agonisten Terbutalin gegenüber der separaten Anwendung mit einem Pulverinhalator (33). Eine Erklärung für dieses Ergebnis könnte in dem kurz wirkenden β2-Agonisten liegen, der per se eine häufigere Anwendung erfordert als eine lang wirkende Substanz.

Denn in einer vergleichbaren Studie von Stoloff et al. (34) mit 2511 eingeschlossenen Patienten mit Asthma bronchiale ergab sich ein konträres Ergebnis. Hier wiesen Patienten, die das Kortikoid Fluticason mit dem lang wirkenden β2-Agonisten Salmeterol kombinierten, eine bessere Compliance auf, als Patienten, die die Substanzen einzeln inhalierten.

Art der Substanz: Kortikoid-Compliance schlechter

Klinisch tätige Ärzte nehmen häufig wahr, dass die Compliance von Patienten für inhalative Kortikoide schlechter ist als die für inhalative β2-Agonisten. Im Allgemeinen wird dies darauf zurückgeführt, dass die Inhalation von Kortikoiden im Vergleich mit β2-Agonisten nicht zu einer unmittelbaren Besserung obstruktiver Symptome führt (35).

Während Bosley et al. (33) keinen Compliance-Unterschied bei der Anwendung eines Kortikoids gegenüber einem β2-Agonisten feststellten, bestätigten andere Studien die klinische Erfahrung einer unterschiedlichen Compliance für Kortikoide und β2-Agonisten. Milgrom et al. (36) wiesen bei Kindern mit Asthma nach, dass 48 % der β2-Agonisten im richtigen Zeitfenster angewendet wurden, dagegen nur 32 % der inhalativen Kortikoide. Auch wurden Kortikoide häufiger ganz weggelassen als β2-Agonisten (24,4 % vs. 20,4 %). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Bender et al. (37), die die Compliance von 24 asthmakranken Kindern untersuchten (s. nachfolgende Abbildung). Die Kinder wendeten an 41,8 % der Tage kein inhalatives Kortikoid und an 28,1 % der Tage keinen inhalativen β2-Agonisten an.

Abb. Anteil der Tage in Prozent, in denen keine, eine minimale oder alle inhalativen Dosierungen angewendet wurden (n = 24). Daten aus (37).