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Gründe für schlechte Compliance

Noncompliance kann aus Sicht des Patienten in zwei grundsätzliche Typen eingeteilt werden: Patienten nehmen Medikamente unbeabsichtigt nicht ein bzw. verstehen deren Anwendung nicht oder sie wenden Medikamente absichtlich nicht an (siehe Tabelle). Von den beiden Möglichkeiten ist die unbeabsichtigte Noncompliance einfacher zu beheben.

Tab.: Gründe mangelhafter Compliance aus Sicht des Patienten

Unbeabsichtigt:

Patient versteht die Therapie nicht richtig

  • Missverständnis beim Therapieregime (mangelhafte Arzt-Patienten-Kommunikation) (35)
  • Falsche Inhalationstechnik
  • Sprachbarrieren

Absichtlich:

Patient versteht die Therapie, hält sie jedoch nicht richtig ein.

  • Überzeugungen des Patienten
    "Ich brauche eigentlich nicht regelmäßig Medikamente."
    "Ich bin im Grunde nicht krank."
    "Ich erlange Aufmerksamkeit und kann zu Hause bleiben." (Kinder)
    "Die Medikamente sind zu teuer."
    "Ich mache mir wegen der Nebenwirkungen sorgen."
    "Ich spüre keine Wirkung der Medikamente"
  • Vergesslichkeit
  • Stress und Lebensstil
  • Komplexes Aerosolregime
  • Psychologische Faktoren, z. B. Depression (36)

Modifiziert nach (37, 38)

Falsches Therapieziel?

Es wird oft übersehen, dass die Compliance eines Patienten auch vom Behandlungsteam abhängt. Gelingt es einem Patienten z. B. nicht, mit dem Rauchen aufzuhören, so kann dies seiner Noncompliance zugeschrieben werden. Es stellt sich jedoch auch die Frage, ob das Therapieziel, mit dem Rauchen vollständig aufzuhören, richtig gewählt wurde. Vielleicht ist es für diesen einen Patienten besser, zunächst eine Reduktion des Tabakkonsums anzustreben.
Üblicherweise orientiert sich die Therapie an (gesunden) "Normalwerten". Da Gesundheit jedoch keinen Wert an sich darstellt, sind individuelle Wertentscheidungen erforderlich, um "Gesundheit" zu definieren und das Ziel einer Therapie zu bestimmen.