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Dosierung: Recovery und Wirkspiegelkontrollen

Recovery

Bei der intravenösen Infusion steigt der Faktor VIII je I.E. pro kg Körpergewicht um etwa 1-2 %, der Faktor IX um ca. 1 % (18). Der maximale Anstieg der Aktivität im Patientenplasma nach Verabreichung von 1 I.E. Faktor VIII oder IX wird als "Recovery" bezeichnet. Bei Patienten mit schwerer Hämophilie kann es allerdings vorkommen, dass nach Erstinfusion eines Gerinnungsfaktorkonzentrats die Aktivität geringer ansteigt, da noch kein Äquilibrium zwischen Blut und Extravasalraum besteht.

Aus dem erwarteten Postinfusionsanstieg kann folgende Faustregel zur Dosierung abgeleitet werden:

Formel für Faktor-VIII-Einzeldosis

Dosis (I.E./kg) = Körpergewicht (kg) x gewünschter Anstieg (%) x 0,5

In den letzten Jahren wurden mehrfach Übersichten zur Substitutionstherapie bei Hämophilie A und B sowie dem von Willebrand-Syndrom publiziert, obwohl kaum Dosisfindungsstudien bekannt sind (17). Die Dosisempfehlungen beruhen weitestgehend auf dem Konsensuspapier zur Hämophiliebehandlung in Deutschland, Update 1999 (19) und den davon abgeleiteten und von der Bundesärztekammer herausgegebenen Leitlinien für die Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten (letzte Fassung 2003) (17).

Wirkspiegelkontrollen

Bestimmungen der Wirkspiegel bzw. Aktivitäten der Faktoren-Konzentrate im Plasma sind erforderlich, um deren Effektivität beurteilen zu können (20).

  • Recovery: Die Bestimmung erfolgt innerhalb von 10 - 15 Minuten nach Beendigung der Injektion, um das Maximum des Faktorenspiegels zu erfassen.
  • Zweite bzw. weitere Kontrolle: Diese sollte entsprechend der biologischen Halbwertszeit erfolgen.

Nach den EMEA-Richtlinien wird die Pharmakokinetik eines rekombinanten Faktors VIII bei einer Serie von mindestens 12 Patienten mit schwerer Hämophilie A untersucht (21). Dazu wird die Faktorkonzentration vor der Injektion sowie 10 - 15 Minuten, 30 Minuten, 1, 3 , 6, 9, 24, 28, 32 und optional 48 Stunden nach der Injektion bestimmt.

Kontinuierliche Infusion

Um einen gleichmäßigen Plasmaspiegel zu erzielen, kann in vielen klinischen Situationen der Gerinnungsfaktor als kontinuierliche Infusion zugeführt werden. Bei gleicher Wirksamkeit kann hierdurch die Gesamtdosis reduziert werden.

Faustregel

  • Initialdosis: 3 - 4 I.E./kg KG/Stunde.
  • Erhaltungsdosis: 1,5 - 3 I.E./kg KG/pro Stunde je nach angestrebtem Spiegel.

In den vergangenen Jahren wird bei kontinuierlicher Infusionstherapie das vermehrte Auftreten von Hemmkörpern, insbesondere bei PTPs (Previously Treated Patients), diskutiert (17). Die Berichte hierzu sind allerdings nicht eindeutig und bedürfen einer weiteren Untersuchung.