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Rekombinante Hämostasefaktoren

Symbolfoto: Biotechnologische HerstellungIn den letzten zwei Jahrzehnten gelang die Klonierung und Charakterisierung der Gene oder der cDNA aller Faktoren, die am Ablauf der Hämostase beteiligt sind. Mit der Kenntnis der Struktur und Funktion der Proteine war es möglich, Faktorenkonzentrate biotechnologisch herzustellen (12). Rekombinante Faktorenkonzentrate sind unabhängig von Plasmaspenden verfügbar und haben auch kein theoretisches Risiko mehr für die Übertragung von Viruserkrankungen. .

Herstellungsprozess

Gerinnungsfaktoren werden mit Ausnahme von AT III in tierischen Zellkulturen in Bioreaktoren in Fermentationsprozessen hergestellt. Folgende Schritte sind im Herstellungsprozess wesentlich (13):

  • Isolation und Klonierung des humanen Gens, das das Protein kodiert.
  • Verpackung des Gens in einen entsprechenden Vektor und Transfer in eine immortalisierte tierische Zelllinie, z. B. Ovarzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen).
  • Isolation von stabilen, hoch produzierenden transfizierten Zellklonen.
  • Kultivierung des Expressionssystems, das das gewünschte Protein in das Kulturmedium entlässt, unter kontrollierten Bedingungen in vitro.
  • Niederlegung der Zellen als Master- und Working-Zellbank, aus der jeder Produktionszyklus gestartet wird. Alle Chargen eines rekombinanten Präparats stammen von einer Master-Zellbank ab. Im Gegensatz zu Humanplasma ist also das Ausgangsmaterial immer gleich.

Anschließend wird das Produkt zu hoher Reinheit und spezifischer Aktivität über säulenchromatographische Verfahren gereinigt und aufbereitet.

Weiterentwicklung: Verzicht auf Plasmaproteine

Eine Weiterentwicklung stellt die Herstellung von rekombinanten Faktorpräparaten ohne Zusatz von Plasmaproteinen dar. Im Gegensatz zu Plasmapräparaten und rekombinanten Faktor-Konzentraten der ersten und zweiten Generation wird bei dieser neuen dritten Generation von Faktorpräparaten weder in der Zellkultur, noch bei der Reinigung und Endformulierung menschliches oder tierisches Plasma zugesetzt.

Damit eliminiert dieses Verfahren das potenzielle Risiko einer Übertragung bekannter und unbekannter Pathogene durch Plasmaprotein-Zusätze und hat damit auch kein theoretisches Risiko mehr für die Übertragung humanpathogener Erreger.