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Kurze Geschichte der rekombinanten Therapie

Die wichtigste Errungenschaft der modernen Hämophilie-Behandlung ist die Verfügbarkeit sicher anwendbarer Medikamente (7). Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung war die Entwicklung rekombinanter Faktorenkonzentrate.

Auf dem Weg zu modernen Konzentraten

Im Jahr 1840 wurde zum ersten Mal über eine erfolgreiche Bluttransfusion bei Hämophilie berichtet, die Voraussetzungen für eine breite Blutversorgung wurden jedoch erst wesentlich später während des 2. Weltkriegs geschaffen (7).

Die Grundlage für die Isolierung und Herstellung plasmatischer Gerinnungsfaktorenkonzentrate brachten die Pionierleistungen von Edwin Cohn (Cohn-Fraktionierung 1946) und Judith Pool (Entdeckung der Kryopräzipitation 1965) (7, 8).

Die HIV-Katastrophe

Der Schock war groß als Anfang der 1980er klar wurde, dass die Erkrankung von Hämophilen an der neuen Immunschwächekrankheit AIDS auf eine Übertragung der HI-Viren durch die Gerinnungsfaktorenkonzentrate zurückzuführen war. In der Zwischenzeit sind weit reichende Maßnahmen zur Virussicherheit und -inaktivierung der Faktorenkonzentrate getroffen worden, sodass es seit 1985 nur noch in einem Fall zur HIV-Übertragung durch Plasmakonzentrate kam (7, 8).

Isolierung der Faktor VIII- und Faktor IX-Gene und Entwicklung rekombinanter Präparate

Foto: Moderne Hämophilie-Behandlung
Die moderne Hämophilie-Behandlung schließt verschiedene Fachdisziplinen mit ein.

Im Jahr 1984 gelang die Identifizierung und Klonierung des Faktor-VIII-Gens und bereits 1982 die des Faktors IX.. Dies führte etwa ein Jahrzehnt später zur Herstellung und Verfügbarkeit rekombinanter, d. h. gentechnisch hergestellter, Faktorenkonzentrate.

Das erste biotechnologisch hergestellte und 1992 in Schweden und den USA zugelassene Faktor-VIII-Präparat war Recombinate der Firma Baxter (9). Kurze Zeit später folgte das Präparat Kogenate der Firma Bayer und Ende der 1990er Jahre das Präparat Refacto der Firma Wyeth.

Durch weitere Fortschritte in der Biotechnologie konnte Ende der 1990er Jahre bei der Herstellung des ersten und bisher einzigen rekombinanten Faktor-IX-Konzentrates vollständig auf die Verwendung tierischer oder humaner Plasmaproteine verzichtet werden, so dass auch das potenzielle Risiko der Pathogenübertragung ausgeschlossen war (8).

Seit 2003 steht als ebenfalls plasma- und albuminfrei biotechnologisch hergestelltes Faktor-VIII-Präparat der dritten Generation Advate (Baxter) zur Verfügung.