cme.medlearning.de - CME Logo

Präparatewechsel bei vorbehandelten Patienten

Es liegen aussagekräftige epidemiologische Daten zu vorbehandelten Patienten (Previously Treated Patients, PTPs) vor, bei denen ein Wechsel des FVIII-Konzentrats vorgenommen wurde.

Geringes Risiko der Inhibitorbildung

Die Daten deuten darauf hin, dass ein Präparatewechsel bei Patienten, die mehr als 50 Expositionstage aufweisen, in der Regel nicht zur Bildung von Inhibitoren führt.

In einer systematischen Zusammenstellung von fünf Studien mit 307 Patienten kam es nur bei einem Patienten zu einer Immunreaktion gegen ein rekombinantes FVIII-Präparat, nachdem er von einem aus Plasma hergestellten Präparat umgestellt worden war. (26)

Studien zur Antigenität eines Präparates

PTPs, die bislang keine Inhibitoren gebildet haben, sind erwiesenermaßen gegenüber FVIII-Konzentrat als antigenem Stimulus unempfindlich. Dieses Patientenkollektiv eignet sich somit besser als Indikator für präparatespezifische Risiken einer Inhibitorbildung als PUPs.

Daher haben die International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) sowie Aufsichtsbehörden empfohlen, dass Studien zur Untersuchung der Antigenität eines Präparates mit Patienten durchgeführt werden sollten, die mehr als 150 Expositionstage aufweisen. (7, 32) Einige Ärzte wünschen sich dennoch gerne weiterhin Studiendaten mit PUPs.

Hemmkörperbildung bei veränderten FVIII-Molekülen

Ein seltenes Ereignis mit Bildung von Hemmkörpern bei PTPs wurde beobachtet, als einige vorbehandelte Patienten aus Plasma hergestellte Faktorkonzentrate mittlerer Reinheit erhielten, die einem modifizierten Pasteurisierungsschritt unterzogen worden waren. (21, 22)

Später wurde gezeigt, dass das FVIII-Molekül durch dieses Behandlungsverfahren verändert wurde und dass diese Veränderung zu einer höheren Antigenität der C2-Domäne führte. (14)